Ein schrecklicher Beginn - die 3 Gemeinden gehören zusammen

Bis zur Gemeindegebietsreform 1971 waren die drei Gemeinden Pittersberg, Diebis und Ebermannsdorf selbständig. Am Donnerstag, den 18. Februar 1971 um 19:30 verabreden sich die drei Bürgermeister wegen der Eingliederungsverträge zu einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte im Gasthaus Bartmann in Diebis. Es liegt zwischen Ebermannsdorf und Pittersberg und so haben die auswärtigen Teilnehmer einigermaßen die gleiche Entfernung zurückzulegen. Ziemlich genau treffen die Räte im Lokal ein, sind nach den anstrengenden Tagen und Wochen guter Dinger und ahnen nicht im Geringsten, mit welchem furchtbaren Schicksalsschlag die neue Gemeinde in ihre Zukunft startet.

Man wartet nur noch auf Bürgermeister Dotzler und die Gemeinderäte Josef Hammer und Josef Schmid, um mit der endgültigen Besprechung der Eingliederungsverträge beginnen zu können. Allmählich werden die bereits anwesenden Pittersberger wegen der Verspätung unruhig, besonders Johann Rester und Konrad Bartmann, die sich mit den Säumigen in Pittersberg vorher getroffen hatten. Rester war in letzter Sekunde bei Bartmann zugestiegen, weil dieser ganz allein im Auto saß. Ursprünglich wollte er bei Dotzler mitfahren. Doch der Bürgermeister hatte vor der Abfahrt noch etwas in der Kanzlei zu erledigen.

Die Zeit schreitet voran und die drei Männer kommen nicht. Der Wirt Tobias Bartmann steht hinter der Theke und schenkt fleißig ein. Er spürt dass nichts weitergeht und auch die wachsende Unruhe der Leute und fordert seinen Großneffen, den Gemeinderat Konrad Bartmann aus Freihöls, auf: „Gäih, foahr do amal viere und schau. Ament hams a Looch gfoahn.“ Der setzt sich auch gleich in sein Auto, fährt die Kreisstraße in Richtung B85 und trifft etwa einhundert bis zweihundert Meter vor der kleinen Brücke über den Diebiser Vorfluter auf eine entsetzliche Unfallstelle.

Der Auflieger eines leeren Bundeswehrtiefladers steht quer zur Fahrbahn, der PKW der drei Pittersberger Gemeinderatsmitglieder liegt zertrümmert im Straßengraben. Sanka und Polizei sind schon am Werk. Aber für Albin Dotzler, Josef Hammer und Josef Schmid kommt jede Rettung zu spät. Wie Konrad Bartmann erfährt, sind die Angehörigen und Pfarrer Vollath bereits verständigt. Der Gemeinderat fährt nach Diebis zurück und überbringt die schreckliche Botschaft. Selbstverständlich ist an ein Fortsetzten der gemeinsamen Sitzung nicht mehr zu denken.

Das Entsetzen in der ganzen zukünftigen Gemeinde ist riesig und lähmt die Aktivitäten in den Verwaltungen hinsichtlich der Vereinigungsaufgaben. Die Welle des Mitgefühls mit den Hinterbliebenen kann deren unsägliches Leid nicht mindern. Die Vorbereitung einer würdigen Beerdigung ist in diesen Stunden und Tagen vielleicht die beste Hilfe. Natürlich beschließt der Pittersberger Gemeinderat, die Überführungs- und Bestattungskosten zu übernehmen.

Am Montag, dem 22. Februar 1971, werden die drei angesehenen Gemeinderatsmitglieder feierlich unter der größten Beteiligung der Bevölkerung auf dem Pittersberger Friedhof bestattet. Landrat Dr. Raß, Bürgermeister Jäger, 2. Bürgermeister Schmid, Rektor Weber, die Gemeinderäte und die Vertreter der Vereine erweisen den Toten die letzte Ehre.

In der Rekonstruktion des Unfalls stellt sich heraus, dass verschiedene unselige Umstände fatal zusammentrafen. Das damals noch kurvige Straßenstück ist zur betreffenden Zeit leicht vereist. Der Fahrer des Tiefladers der Bundeswehr trifft beim Bemerken des entgegenkommenden PKW heftig auf die Bremse. Dadurch stellt sich der Auflieger des Militärfahrzeugs quer, das Maschinenhaus ist nicht mehr zu lenken und der PKW kracht gegen das ihm entgegenschlitternde, riesige Hindernis. Dabei wird er von der Fahrbahn und gegen mehre Waldbäume geschleudert. Besonders fatal und unfallbedingend stellen sich im Nachhinein die Verspätung der Pittersberger Gemeinderatsmitglieder und die Vereisung der Straße nach Diebis heraus, die vorher nämlich noch nicht glatt war. Doch es ist sinnlos, mit dem Schicksal zu hadern.

Es muss weitergehen / Papier ist geduldig
Die gemeindlichen Angelegenheiten müssen wieder angepackt werden. Die Gemeinderäte der drei Gemeinden erkennen die Eingliederungsverträge in allen Punkten an. 18.02.1971 (Vertrag siehe Chronik/Buch ab Seite 287)

Die Bevölkerung der Gemeinde setzt sich aus 720 Ebermannsdorfern, 103 Diebisern und 694 Pittersbergern zusammen, insgesamt also 1517 Einwohner.